Der haptische Kick des Manufactumkatalogs (neue Kolumne)

Richard Wagner hat Seide und Samt durch seine Hände gleiten lassen, weil er den haptischen Kick brauchte, um Musik zu komponieren, die einen umhaut. Als Komponist und Songwriter suche ich genau das! Ich ziehe also den schweren Samtvorhang der Jugendstilsuite im Hotel Art Nouveau durch meine Handfläche und schließe die Augen. Noch will sich kein Zauberklang wie der Tristanakkord oder das apokalyptische Gebretter des Walkürenritts in meinem Geistesohr hören lassen. Noch nicht mal wagnerische Libretto-Alliterationen wie „Weia! Waga! Woge, du Welle, walle zur Wiege! Wagalaweia!“, die der Sound-Erotoman aus Sachsen der von ihm erdachten Woglinde  in den Sopran singenden Rheingoldmund gelegt hat. 

Stattdessen höre ich den rohen Ruf des Bauarbeiters im Gerüst vom Haus gegenüber. „Jibma den Fuffzehner runter, du Flitzpiepe.“ Könnte er den Kollegen doch wenigstens in Versen um den 15er Schlüssel bitten! „Verehrter Geselle, Gefährte am Seil, reich mir das Werkzeug rasch her. Den eisernen Helfer zur Schraubung ein Weilchen zu nutzen, das ist mir mein drängend Begehr’!“ Worauf der Kollege dem Anderen nicht Schläge anbietet, sondern entgegnet: „Den Schlüssel zu finden sei mir nun Diktat. Ich eile zuhilf, teuerster Kamerad!“ 

Dieser würde das schwere Gerät auch nicht mit „Na also, jeht doch, du Backpfeifenjesicht!“ entgegennehmen, sondern rufen: „Ein Suchender war ich, bis du mir erschienst. Am Morgen noch wühlend in Kästen und Kisten, zur Dämmerungsstunde in dunklem Geräum. Nun will ich zum Dank dir im dauernden Bunde Gefolgschaft erweisen und ewigen Dienst.“ Weiterlesen ...

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